Tarnmuster der Deutschen Armee

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Tarnmuster in der Deutschen Armee
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kaiserliche Armee
Erste "Tarnuniformen"

Um 1900 erhielt das ostasiatische Expeditionskorps der kaiserlichen Armee eine Tropenuniform in „erdfarbenem Feldgrau“

1907 wurde damit begonnen, im gesamten deutschen Heer statt des "bunten Rocks" feldgraue Uniformen mit braunem Lederzeug einzuführen.

Buntfarbenanstrich 1918 (Mimikry)

Bis 1918 waren alle Tarnmuster, die beim deutschen Militär verwendet wurden improvisiert.

Im Juli 1918 wurde in offiziell das erste standardisierte Tarnmuster, der "Buntfarbenanstrich 1918", in der kaiserlichen Armee - für Heer und Luftwaffe - eingeführt.

Es wurden großflächige scharfeckige Farbfelder in rostbraun, ockergelb und grün aufgetragen, die durch dicke schwarze Linien voneinander getrennt waren. Wie fast alles Kriegsmaterial wurden auch Stahlhelme mit diesem Anstrich versehen. Der "Buntfarbenanstrich 1918" ist auch unter der Bezeichnung "Mimikry-Tarnanstrich" bekannt.

Die Farben waren matt und wurden von Hand mit dem Pinsel aufgetragen. Aufgesprühte Farben sind erst seit den 1930er-Jahren belegt. 

Der Buntfarbenanstrich 1918 wurde vor allem bei Großgerät (Panzer, Flugzeuge, Kanonen ...) verwendet. Aber auch Ausrüstungsgegenstände - wie Munitionskisten und Stahlhelme - wurden mit dem Buntfarben-anstrich1918 versehen. 

Stahhelm M16 mit Buntfarbenanstrich 1918

 

Reichswehr
Buntfarbenanstrich
Am 16. Mai 1922 wurde der Buntfarbenanstrich 1918 für die neu gegründete Reichswehr übernommen. Man ging jedoch dazu über, die schwarze Umrandung der einzelnen Farbfelder wegzulassen und die Farben in wellenförmigen Mustern aufzutragen.
Obwohl Wilhelm Ostwald sich bereits seit 1914 mit farbtheoretische Studien und einem wissenschaftlich fundierten Farbsystem (Farbnorm) beschäftigte (1917 erschienen die erste Auflage der "Farbenfibel" und der erste "Farbenatlas" mit 2500 Farben) und 1920 mit seiner Unterstützung in Dresden  die "Werkstelle für Farbkunde" gegründet wurde, gab es noch keine allgemeinverbindlichen  Produktionsstandards für Farben. Die Lacke der einzelenen Hersteller wichen daher in Farbe, Qualität und Haltbarkeit stark voneinander ab.

Um diesen Missstand zu beseitigen, wurde am 23.04.1925 in Berlin von der deutschen Privatwirtschaft und der deutschen Regierung der "Reichsausschuss für Lieferbedingungen (RAL)" gegründet, der unabhängig und eigenverantwortlich Qualitätsstandards festlegte. 1927 wurde vom RAL eine Farbtabelle mit 40 Farben erstellt, denen jeweils eine Nummer zugeordnet wurde.

Um 1940 wurden die RAL-Farben auf das vierstellige System umgestellt, wie es bis heute gebräuchlich ist. Tarnfarben des Heeres erkannte man bis 1944 stets an der „7“ oder „8“ an erster Stelle.

Da in den fast 20 Jahren, in denen der Buntfarbenanstrich 1918 verwendet wurde, die Farbtöne variierten und bei der Einführung des Bundfarbenanstrichs 1918 noch keine RAL-Farbtabelle existierte, ist die Rekonstruktion der Originalfarbwerte des Buntfarbenanstrichs 1918 schwierig, Folgende Farben sind durch Belegfunde für die Zeit zwischen 1935 bis 1937 für diesen Anstrich gesichert:

RAL 6002 Laubgrün (damals RAL Nr. 27)

RAL 1005 Honiggelb (damals RAL Nr. 22)

RAL 8014 Sepiabraun (damals RAL Nr. 18g)

Buntfarbenmuster 1931
Der 1931 vorgestellte und 1932 eingeführte "Buntfarbenmuster 1931" ist im englischen unter den Bezeichnungen "Splinter-Pattern" bzw. "Splinter A" bekannt.
 
Der Grund des Buntfarbenmusters 31 bestand aus einem gedämpften Graubeige. Darauf wurden im Siebdruckverfahren grüne und braune unregelmäßige scharfeckige geometrische Flecken aufgebracht. Darauf wurden unregelmäßig verteilte, feine dunkelgrüne Linien ("Grashalme“) gedruckt, die das Muster zusätzlich verschwimmen ließen. Es gibt zwei sehr ähnliche Farbvarianten des Buntfarbenmusters 31. Zeltbahnen hatten in der Regel die helle Version auf der einen Seite und die dunklere auf der anderen Seite. 
 
Vorgesehen war, ausschließlich die Dreiecks-Zeltbahn, die auch als Regen- und Tarnponcho im Feld verwendet werden konnte, mit dem Buntfarbenmuster 31 zu bedrucken. 
 
Buntfarbenmuster 31 (Splittertarn A, splinter a)
Buntfarbenmuster 31 Spliitertarn A

Dreieckzeltbahn

Im Kaiserreich und danach gab es die viereckige deutsche Zeltbahn Modell 1892 in den Farben Beigebraun und Hellgrau. Sie hatte die Maße 160 x 175 cm. Die Viereck-Zeltbahn Mod. 1892 war mit kleinen Schlaufen versehen, durch die Kordeln gezogen werden konnten, mit deren Hilfe man die Zeltbahn M 1892 als Umgang tragen konnte.

Ab 1926 wurden Truppenversuche mit Dreieckszeltbahnen gemacht und mit Verfügung vom 7.2.1927 wurde in der Reichswehr die graue Dreieckszeltbahn eingeführt.

Mit Verfügung vom 26.6.1930 wurden die Dreieckszeltbahnen mit Tarnfarbenaufdruck versehen und fortan als "Zeltbahn 31" bezeichnet.

Beschreibung, Trageweise, Verwendung und Behandlung wurden in der H.Dv.205/1 "Vorschrift für die Zeltausrüstung des Mannes" vom 20.04.1932 beschrieben.

Wehrmacht

Tarnbekleidung spielte in der Wehrmacht eine untergeordnete Rolle. Anfangs mokierte sich die Wehrmachtsführung nach dem Motto "Ein echter Soldat trägt Feldgrau" sogar über die "SS-Laubfrösche".

Lediglich die Dreiecks-Zeltbahn im Buntfarbendruck 31 konnte als Tarnumhang verwendet werden. Vor Ausbruch des Krieges verfügten nur die Gebirgstruppen über weiße Tarnbekleidung zur Tarnung im Schnee.

Während die Waffen-SS bereits 1935 mit der Erforschung und Entwicklung von Tarnmustern begann, startete die Wehrmacht erst Ende 1941 mit der Entwicklung von eigener Tarnbekleidung. Bis dahin wurden von einigen Wehrmachts-Truppenteilen Tarnbekleidung und Stahlhelmüberzüge der Waffen-SS verwendet.

Buntfarbenanstrich für Fahrzeuge

Der "Buntfarbenanstrich 1918" blieb bis 1937 Vorschrift beim deutschen Militär.

Danach wurden alle Fahrzeuge in schwarzgrau RAL 7021 ausgeliefert.

Mit der HM 181 vom 18.02.1943 wurde erneut das 3-Farbensystem eingeführt. Ab diesem Tage wurden alle Fahrzeuge  in dunkelgelb RAL 7028 ausgeliefert und die Truppe hatte je nach Jahreszeit und Vegetation "nach eigenem Ermessen" die Tarnung mit Tarnfarben in den Farben Braun RAL 8017 und Grün RAL 6003 aufzubringen. Die HM 181 enthält alle Details, wie die Tarnung auszusehen hatte.

Nach OKW WA J Rü 6/VIII vom 19.08.1944 sollten die Fahrzeuge nun ab Werk bereits die Tarnung erhalten.

Im Oktober 1944 kam eine Anstrichvorschrift mit detaillierten Tarnbildern heraus.

HV B Nr. 52 vom 24.01.1945 nennt die verschiedenen Tarnmuster 1 (Herbst/Spätsommer), 2 (Winter) und 3 (Frühjahr, Sommer). Hier wird die scharfe Abgrenzung der einzelnen Tarnflecken gefordert, bisher waren weiche Übergänge üblich, auch bedingt durch die Technik des Aufsprühens. Tarnmuster 1 hatte eine gelbe Grundfarbemit grünen und braunen Tarnflecken und zahlreichen kleinen Farbtupfern für Fahrzeuge, die im Herbst und Spätsommer zum Einsatz kamen. Die Ausarbeitung der neuen Tarnmuster wurden vom HWA ab August 1944 vorgenommen.

Buntfarbenmuster 31 (Heeressplittermuster 31)
Das 1932 von der Reichswehr eingeführte "Buntfarbenmuster 1931" war das Haupt-Tarnmuster der Wehrmacht von 1932 bis 1942. 1935 wurde das Tarnmuster in Heeressplittermuster 31 umbenannt.
 
Zeltbahnen wurden jedoch bis 1945 im Heeressplittermuster 31 hergestellt.
Splittermuster 31 "open wave"
Neben dem "normalen" Splittertarnmuster 31 existiert auch eine Variante, die in englischsprachigen Sammlerkreisen als "open wave" oder "waving patern" bezeichnet wird. Die feinen grünen Linien (Grashalme) haben bei "open wave" einen größeren Abstand und sind in einer Art Welle gruppiert. Daher die Bezeichnung.
Buntfarbenmuster 31 braun

Es existiert eine seltene Variante des Buntfarbenmusters 1931in dem anstatt der grünen Flecken beige-braune Flecken und braune Striche aufgedruckt wurden. Diese Variante kommt bei Zeltbahnen und Schlupfjacken vor.

Einige der Zeltplanen in dieser Farbvariante tragen die Herstellerbezeichnung "L.L.G. der Segelmacher". Dieser Hersteller war in Berlin ansässig und produzierte Zeltplanen in dieser Farbvariante bereits vor dem Krieg bis 1943 oder sogar 1944.  

Peterson ist der Ansicht, dass es sich um eine Variante des Buntfarbenmusters 31 handelt, die in geringen Stückzahlen in Holland produziert wurde.

In Sammlerkreisen wird häufig die Auffassung vertreten, dass es sich um Tarnmaterial für den Afrika-/Mittelmeer-Einsatz handeln könnte, was aber wohl nicht zutrifft.

Buntfarbenmuster 31 "braun"
Buntfarbenmuster 31 (Farben verkehrt)
Es gibt auch eine Variante des Buntfarbendrucks 31 (bei Wendetarnanzügen) bei dem auf beigem Grundstoff große grüne und kleine braune Flecken aufgedruckt sind. 
Buntfarbenmuster 41 (Splittertarn B)
Das Buntfarbenmuster 41 (Splittertarn B, engl. "Splinter B") ist eine Weiterentwicklung des Buntfarben-musters 31. Die geometrischen Formen sind beim Buntfarbenmuster 41 kleiner und zahlreicher. 
 
Das Buntfarbenmuster 41 wurde von 1941 bis 1943 vor allem an die Luftwaffe  (Luftwaffen-Felddivisionen, Fallschirmjäger) ausgegeben. Der erste Einsatz war 1941 bei der Invasion auf der Insel Kreta. 
 
Tarnjacke der Luftwaffe in Splittertarn B (Buntfarbenmuster 41)
Buntfarbenmuster 41 - Spliitertarn B Fallschirmjäger Knochensack Fallschirmjäger-Knochensack Splittertarn B Buntfarbendruck 41
 
Es wird heute davon ausgegangen dass fabrikmäßig nur die langen Tarnjacken (Feldjacken) und Fallschirmjäger-Knochensäcke gefertigt wurden. Die übrigen im Buntfarbenmster 41 (Splittertarn B) hergestellten Ausrüstungsstücke wie Stahlhelm-TarnbezügeGranatbeutel und Patronengurte scheinen an der Front hergestellt worden zu sein.
 
Vereinzelt taucht auch die Version "Buntfarbenmuster 41 - braun" in den Farben des Sumpfmusters 43 auf. Sie  stellt wahrscheinlich 1943 den Übergang zum Sumpfmuster dar.

IR Tarnmuster der deutschen Wehrmacht

Aufrgund der Entwicklung deutscher Infrarot-Nachtsichtgeräte musste die deutsche Wehrmachtsführung davon ausgehen, dass auch die Alliierten an Nachsichtverfahren auf Infrarotbasis arbeiteten. Man begann daher über eine wirksame IR-Abwehr nachzudenken. 

Von der IG-Farbenwurden spezielle IR-Farben (z.B. Hydron Oliv GX und Anilin Schwarz) entwickelt.  

Im nahen Infrarotbereich besitzt die grüne Vegetation eine ungefähr sechsfach höhere Reflexion als im sichtbaren Spektralbereich, da das frische Blattgewebe ein gutes Reflexionsvermögen aufweist und die übrigen Wellenlängen vom Chlorophyll und den begleitenden Karotinoiden absorbiert werden. 

Vermutlich 1942/43 fand man heraus, dass spezielle rote Farben die Infrarotstrahlen in ähnlicher Weise reflektieren wie die Grünpflanzen der natürlichen Umgebung und dadurch die Aufklärung durch IR-Sichtgeräte erschweren. 

Link: Deutsche Infrarot-Nachsichtgeräte im 2. Weltkrieg

Sumpftarnmuster 43 (Sumpftarn)
Das Sumpf-Tarnmuster 43 (sumpftarn, sumpfmuster, engl. swamp camouflage, tan and water 43) wurde ab 1943 an Heer (Scharfschützen und Panzergrenadiere), Luftwaffe und Fallschirmjäger ausgegeben.
 
Das Sumpftarnmuster 43 wurde aus dem Splittertarn 31 abgeleitet. Die Grundfarbe des Stoffes war ein anderer Beigeton (RAL 7028 Dunkelgelb). Außerdem wurde die Form der rotbraunen und grünen Flecken geändert, indem man deren kantige, lineare Form aufweichte,  und an den Rändern durch passende farbige Punktierungen, die nach außen hin immer feiner wurden, sanft auslaufen ließ. Beibehalten wurden die unregelmäßigen Gruppen angeordneten gestrichelten Linien in einem dunklen Grünton,, die sich über das Tarnschema verteilen und für zusätzliche Auflösung des Grundmusters sorgen.
 
Die rötlichen Flecken deuten darauf hin, dass man bereits mit Infrarot-Tarnung experimentierte. Einen  Hinweis auf die Einführung von Infrarottarnung finden wir ín der Tatsache, dass das alte Dunkelgelb RAL 7028 1942/43 durch ein Dunkelgelb nach Muster ersetzt wurde, das Infrarottarnung ermöglicht.

Das Sumpfmuster 43 wurde 1943 von der deutschen Wehrmacht eingeführt

Tarnhandschuhe im Sumpftarnmuster 43 (wendbar auf weiß)
Wehrmacht Sumpftarn Wendehandschuhe

Die rötlichen Flecken und die Umstellung von Dunkelgelb RAL 7028 alt auf Farbton "RAL 7028 Dunkelgelb nach Muster" beim Sumpfmuster 43 deuten darauf hin, dass es sich hierbei bereits um das erste deutsche IR-Tarnmuster handelt.

Erste Versuche mit "RAL 7028 Dunkelgelb nach Muster" sind ab Anfang 1942 belegt. Als Grundfarbe des Bundfarbenanstrichs für Kraftfahrzeuge und Geschütze des deutschen Heeres wurde "Dunkelgelb nach Muster"  im Februar 1943 (Heeresmitteilung 1943 Nr.181) verordnet und offiziell eingeführt. Das neue "Dunkelgelb nach Muster" war deutlich gelber und etwas heller als das "Dunkelgelb RAL 7028 alt" und wurde zunächst nicht in das RAL Farbtonregister aufgenommen. 

Im März 1943 wurde das "Dunkelgelb nach Muster" erneut verändert. Die neue Farbe hieß einfach nur "RAL 7028 Dunkelgelb" und war bis Spätsommer/Herbst 1944 bei der Neulackierung von Fahrzeugen in Verwendung. Sie ist etwas dunkler und weniger Gelb als das "Dunkelgelb nach Muster", hat einen ganz leichten Roststich. Denecke spricht hier von Dunkelgelb III, der historisch korrekte Name lautet schlichtweg "RAL 7028 Dunkelgelb".

RAL 7028 alt / 
Dunkelgelb nach Muster
RAL 7028 Dunkelgelb
RAL 7028 Dunkelbgelb 
Ausgabe 1944
RAL 7028 Dunkelgelb RAL 7028 Dunkelgelb 1944

Da es sich bei RAL 7028 um den neuen Einheitsfarbton handelte, wurden auch nach und nach viele Ausrüstungsgegenstände mit dieser Farbe lackiert: Benzinkanister, Munitionskisten, Ausrüstungskisten, Panzerfäuste, Kochgeschirre, Feldflaschenbecher ... 

Quelle: www.militaerlacke.de

Sumpftarn 43 "grün"

Es taucht ab und zu auch Tarnbekleidung in Sumpftarn 43 "grün" auf. Dieser Tarndruck ist identisch mit dem Sumpftarn 43, es fehlen jedoch die braunen Felder.

Ob es sich hierbei um Versuchsmuster handelt oder ob diese Tarnbekleidung aus späterer, z.B. tschechischer Produktion stammt, ist dem Verfasser nicht bekannt.

Sumpf-Tarnmuster 44
Das Sumpf-Tarnmuster 44 war eine sehr verbreitete Tarnmuster. Es ist eine Weiterentwicklung des Sumpfmusters 43. Die Farben sind ähnlich, aber das Muster ist diffuser. Die Grundfarbe ist Beige und die Aufdrucke sind kastanienbraun und dunkelgrün. Die Kanten der geometrischen Formen verschwimmen. Winter-Parkas und Überhosen sind oft reversibel weiß.
 
Sumpftarnmuster 44
 
Buntfarbendruck 1945

Im Jahr 1945 wurde von der Wehrmacht eine Tarndruck-Variante des Buntfarbendrucks 31 mit einem schwarzen Karbonaufdruck (wie bei Leibermuster) entwickelt, der die Aufklärung durch Infrarotsichtgeräte erschweren sollte. Es wurden einige Zeltplanen im Buntfarbendruck 1945 der Wehrmacht produziert. 

Dreieckszeltplane im Buntarbendruck 45 der Wehrmacht
Zeltplane Buntfarbenmuster 1945 Zeltplane Buntfarbenmuster 1945

Der Einführung des Buntfarbendrucks 1945 der Wehrmacht standen Überlegungen entgegen, alle ein-geführten Tarnschemata der Wehrmacht und Waffen-SS durch das von der Waffen-SS entwickelte Leibermuster zu ersetzen.

Schnee-Tarnbekleidung

Die 1938 eingeführte Windbluse der Gebirgstruppen hatte eine graue und eine weiße Seite. 

Schneetarnhemden waren im Frieden nur für die Gebirgstruppe vorgesehen. Im Krieg wurden sie auch an andere Wehrmachtsteile ausgegeben. Ersatzweise wurden auch weiße Bettücher verwendet.

Später gab es bei der Wehrmacht einen wendbaren Wintertarnanzug, dessen eine Seite weiß war.

Stahlhelme wurden in verschneiten Gebieten von der Truppe mit weißer Farbe angestrichen.

Skijäger in Russland wendbarer Tarnanzug
Waffen-SS

Die Waffen-SS war die erste Truppe weltweit, die in großem Stil mit Bekleidung  im Flecktarnmustern in verschiedensten Ausführungen ausgerüstet wurde.

Das SS-Hauptamt startete 1935 ein eigenes Programm zur Untersuchung aller mit Tarnung zusammen-hängenden Fragen. Leiter der Abteilung "T" wurde der Kunstmaler Professor J.G. Otto SchickSturmbannführer Wim Brant war für die Entwicklung der Schnitte und Richtlinien verantwortlich.

Mit dem ersten Tarnmuster (Platanen) wurden ab Dezember 1936 Musterkleidungstücke gefertigt. Im Sommer 1937 wurde das gesamte Regiment „Deutschland“ (Division "Das Reich") mit Tarnjacke und Tarn-Helmüberzug ausgerüstet. 

Ab Mitte 1938 wurden die ersten Waffen-SS Einheiten mit Tarnbekleidung ausgestattet.

Die erste Vorstellung in der Öffentlichkeit in größerem Rahmen vor Himmler und Offizieren von Heer, Marine und Lufwaffe soll bei einem Manöver 1939 auf dem Truppenübungsplatz „Munsterlager“ erfolgt sein.

Am 19.6.1940 sind folgende Lieferzahlen belegt:

Leibstandarte Adolf Hitler 3.000 Stück
SS-Verfügungstruppe 10.900 Stück
SS-Totenkopfdivision 9.000 Stück 
SS-Polizei-Division 9.500 Stück

Die heutige Namensgebung der Waffen-SS-Tarnmuster stammt aus der Nachkriegszeit. 

Von den meisten Mustern wurden vielfältige Abwandlungen gedruckt. Originale Ausrüstungsgegenstände mit ungewöhnlichen Tarnmustern können  aus kleinen Versuchsserien stammen.

Während des Krieges wurden die besonderen Tarnuniformen zu einem "Markenzeichen" der Waffen-SS und waren ein wesentliches Element aller Propaganda-Publikationen.

Propagandaplakat der Waffen-SS
Blocktarnmuster (SS-VT) 1936-1938

Das SS-VT Block-Tarnmuster (block pattern) wurde 1936-1938 in kleinen Stückzahlen hergestellt an die SS-Verfügungstruppe ausgegeben. Er wurde ausschließlich für Stahlhelm-Tarnbezüge und Tarn-Schlupfhemden verwendet. 

Es existieren Fotos aus dem Frankreichfeldzug, auf denen Sodaten mit Blocktarn-Helmüberzügen bzw. Blocktarn-Schlupfhemden zu sehen sind. 

Blocktarnmuster (Herbst) der SS-Verfügungstruppe
Blocktarn SS-Verfügungstruppe
Waffen-SS Platanen-Tarnmuster (1937-1942)

Das Platanenmuster (engl. “Plane Tree Pattern") war das erste Tarnmuster, dass bei der Waffen-SS verwendet wurde. Es wurde bereits 1936/37 erprobt, jedoch erst im Sommer 1938 an die Truppe ausgegeben. Das Platanenmuster der Waffen-SS und das Blocktarnmuster der SS-Verfügungstruppe wurden also ziemlich zeitgleich entwickelt. 

Bereits 1937 gab es die ersten SS-Zeltplanen in Platanenmuster. Vorher verwendete die SS-Verfügungstruppe (SS-VT) die Zeltplanen der Wehrmacht im Buntfarbendruck 31.

Vom Platanen-Tarnmuster gab es drei Mustervariationen (1/2, 3/4 und 5/6). Das bedeutet, dass die rechte Hälfte des Platanenmusters Nr.1 mit dem gleichen Sieb (aber mit anderen Farben) gedruckt wurde wie die rechte Hälfte des Platanenmusters Nr.2 und genauso die linke Hälfte. Das gleiche geschah mit den Mustern 3/4 und 5/6. Durch die jeweils zwei unterschiedlichen Farbschemata ergeben sich dann die insgesamt 6 verschiedenen Platanen-Muster-Varianten. Nr. 1 und Nr. 2 wurden von Hand im Siebdruckverfahren auf große Stoffbahnen gedruckt (ohne Musterwiederholungen). Die anderen (3/4 und 5/6), mit Rollen gedruckten Versionen, haben eine Musterwiederholung. 

Die Nummern der Platanenmuster dienen lediglich der Unterscheidung der verschiedenen Muster bei der Herstellung von Tarnzelplanen und Tarnbekleidung. Alle Muster wurden parallel hergestellt. Bei späten Tarnschlupfjacken und Zeltplanen kommt es - vermutlich aus Gründen der Materialknappheit vor, dass verschiedene Tarnmuster gemischt verarbeitet wurden.

Die Muster 5 und 6 des Platanen-Tarnmusters sind dem Eichenlaub-Tarnmuster sehr ähnlich. Durch die verschiedenen Varianten sollte wahrscheinlich die Zufälligkeit des Musters erhöht werden.

Platane 1 Frühling Platane 1 Herbst Platane 2 Frühling Platane 2 Herbst
Waffen-SS-Tarnmuster Platane 2 Fühling Waffen-SS Tarnmuster Platane 2 Herbst
Platane 3 Frühling Platane 3 Herbst Platane 4 Frühling Platane 4 Herbst
Waffen-Ss Tarnmuster Platane 4 Frühling
Platane 5 Frühling Platane 5 Herbst Platane 6 Frühling Platane 6 Herbst
Waffen-SS Rauchtarnmuster (1939-1944)

Das Rauchtarnmuster wird in der englischsprachigen Literatur häufig mit "blurred edge" bezeichnet.

Rauchtarn Frühling
Waffen-SS Tarnmuster Rauchtarn Sommer
Rauchtarn Herbst
Waffen-SS Tarnmuster Rauchtarn Herbst
Waffen-SS Palmen-Tarnmuster (1940-1942)

Das Palmen-Tarnmuster (engl. palm patern) wurde speziell für Tarnjacken entwickelt und erschien in großen Stückzahlen mit Beginn des Russlandfeldzuges. Die Masse dieser Palmmuster-Tarnjacken ging dort auch unter, so dass nur wenige Exemplare überlebt haben.

Das Palmen-Tarnmuster wurde als erstes vollmechanisch im Walzendruck hergestellt, wurde aber 1942 aufgegeben, da es mehr für kurze Distanzen gedacht und damit nicht universell einsetzbar war.

Es existierten nur Palmen-Tarnmuster-Jacken in der ersten Ausführung (ohne Seitentaschen) sowie Helmüberzüge in Palmen-Tarnmuster. Zeltbahnen im Palmen-Tarnmuster sind nicht bekannt.

Restbestände der Palmenmuster-Tarnjacken tauchten nach dem Krieg vor allem in der ehemaligen Tschechoslowakei auf und wurden mangels anderer Möglichkeitenals Arbeitsjacken aufgetragen.

Palmen-Tarnmuster Frühlung Soldat in Palmenmuster Tarnjacke

Waffen-SS Palmtarnmuster Frühling

 

Palmen-Tarnmuster Herbst
Waffen-SS Palmtarnmuster Herbst
Waffen-SS Beringtes Eichenlaubtarnmuster (1942)
Eichenlaub-Tarnmuster B
Eichenlaub B Frühling
Wende-Tarnhandschuhe
Eichenlaub B Herbst
Waffen-SS Eichenlaubtarnmuster (1943-1945)
Eichenlaub-Tarnmuster A

Das Eichenlaub-Tarnmuster (engl. "Oak Leaf Patter") wurde für alle Ausrüstungsgegenstände verwendet. Dieses Muster hatte vor allem in Laubwäldern eine hervorragende Tarnwirkung. Es wurde gegen Kriegsende vorwiegend für wendbare  Wintertarnanzüge der Waffen-SS verwendet.

Eichenlaub A Frühling Eichenlaub A Herbst
Tele Mimetico 1929 (italienisches Tarnmuster)

1929 wurde in Italien das italiensiche 3-Farben-Tarnschema "Tele Mimetico" eingeführt. Von dem italiensichen Tele Mimetico gab es mindestens 3 Farbvarianten, manche Autoren gehen sogar von insgesamt 6 Varianten aus.

Nach dem Abfall Italiens und Entwaffnung der italienischen Armee durch deutsche Truppen 1943 wurden in Oberitalien durch die Waffen-SS Division Leibstandarte Adolf Hitler (LAH) größere Mengen italienischer Tarnstoffe und Tarnuniformen im italienischen Telo Mimetico Tarnmuster requiriert. Vor allem die neu aufgestellte 12. SS-Panzerdivision Hitlerjugend, aber auch andere SS-Divisionen, wie z.B. die 17. SS-Panzer-Divisiov "Götz von Berlichingen" wurden teilweise aus den requirierten italienischen Beständen versorgt.

Neben original italienischen Uniformen wurden aus dem erbeuteten italienischen Tarnstoff nach deutschem Schnitt Panzerkombinationen, Vier-Taschen-Feldblusen, Tarnhosen, Feldmützen, kaninchenfell-gefütterte Winterjacken mit Kapuzen (Tarnparkas), Magazintaschen u.a. gefertigt.

Diese Bekleidung wurde wegen ihrer guten Stoffqualität offenbar auch gern von höheren Waffen-SS-Führern getragen. 

italienisches 3-Farben-Tarnmuster
Tele Mimetico 1. Modell 1929-1945 Tele Mimetico 2. Modell 1939 - 1992 Tele Mimetico 3. Modell 1939-1992
Waffen-SS italienisches Tarnmuster Kurt Meyer Tele mimentico m29 Tarnjacke
Waffen-SS Erbsentarnmuster (1944-1945)

Das Erbsentarnmuster (engl. "Dot", "pea patern") wurde ursprünglich entworfen, um alle anderen Tarnmuster der Waffen-SS zu ersetzen. Hergestellt wurden in diesem Tarnmuster zweiteilige Uniformen, Winterbekleidung und Fallschirmjäger-Knochensäcke.

WSS-Erbsentarnmuster WSS-Soldat mit Erbstarnmuster-Tarnjacke
Waffen-SS Leibermuster (1945) (engl. body pattern)

Unter Prof. Schick wurde von der Abteilung "T" in enger Zusammenarbeit mit "Schlieper & Braun" eine Tarnbedruckung entwickelt, die sowohl die visuelle Tarnung mittels Mehrfarbtarndruck als auch die infrarote Tarnung bot.

Neben Prof. Schick waren die Hauptsturmführer Krug, Lechler und Fischer an der Entwicklung des Leibermusters und des Infrarotschutzes beteiligt.

Die Bezeichnung "Leibermuster" (oft - aufgrund eines Druckfehlers in der amerikanischen Literatur - auch falsch als "Leibermeister" bezeichnet) geht auf den Drucktechnik-Ingenieur Hellmut Leiber zurück, der mit der Kattundruckerei „Schlieper & Baum AG“, Wuppertal-Elberfeld die Fertigungsweise und Farbmischung des Leibermusters zum Patent angemeldet hat: Deutsche Patentschrift 909 667 vom 4. Mai 1942 "Verfahren zur Herstellung von Tarnmustern auf Gewebebahnen und ähnlichen flächigen Gebilden" und Deutsche Patentschrift 897 689 vom 12. März 1944 "Verfahren zum Herstellen farbiger Musterungen auf Geweben und anderen Stoffen". Der Firmenchef Adolf Schlieper galt als wissenschaftliche Autorität und anerkannte Größe auf dem Gebiet der Stoffdruckerei und hatte bereits in den 70er und 80er Jahren des 19. Jhds. das Unternehmen durch bahnbrechende Erfindungen auf chemisch-coloristischem Gebiet zu hoher Blüte gebracht. 

Das Leibermuster besaß einen gelbbeigen Hintergrund, auf den weiße Flecken gedruckt wurden. Darüber kam eine hellgrüne Musterung sowie eine weitere Druckschicht aus mittlerem Grün in Form von Blättern. Rotbraune Flecken folgten und zuletzt wurde das schwarzes Zackenmuster darübergelegt.

Beim Leibermuster-Tarndruck handelte sich um einen 6-Farben-Rollendruck der auf einen naturfarbenen Zellwoll-Leinen-Drill (Drillich) gedruckt wurde. Um ein möglichst irreguläres, unsymmetrisches Gesamtbild zu erhalten, wurden die Farben mit 6 verschiedenen Walzendurchmessern von 44,1 / 46,2 / 48,2 / 49,0 / 50,0 und 50,5 cm Umfang aufgebracht. Da die verschiedenen Farben nicht übereinander gedruckt wurden, entstanden so oft Verschiebungen der Tarnflecken, die dann einen dünnen weißen Rand zwischen den Farbverläufen ergaben.

Die "IR-Farben" des Leibermusters enthielten u.a. Graphit und Schwefel wodurch die Reflektion des IR-Lichtes beeinflusst werden konnte. Als Farben wurden u.a. Hydron Oliv X und Anilinschwarz verwendet.

Schwarze Pigmente (Anilinschwarz, Carbonschwarz und Eisenoxidschwarz) absorbieren das bei den damaligen IR-Geräten verwendete "nahe Infrarot". Mit diesen Pigmenten gefärbte Materialien werden deshalb auch durch direktes Sonnenlicht erwärmt.

Schwefelverbindungen - die im gelbbeigen Grund zur Anwendung kamen - zeigen aufgrund der relativ großen Masse des Schwefels im Vergleich zu Kohlenstoff in den IR-Spektren sehr charakteristische Banden. 

Die orangeroten Flecken reflektierten die IR-Strahung ähnlich wie der natürliche Bewuchs der Umgebung.

Durch das Zusammenwirken der unterschiedlichen Farbflecken sollte das klare Sichtbild der IR-Geräte des Gegners beeinträchtigt werden.

Die Haltbarkeit der neuen IR-Farben (außer dem Anilinschwarz) war offensichtlich nicht besonders gut. Bei allen Originalen, die der Autor bisher gesehen hat, waren alle Farben - bis auf das Schwarz - stark ausgebleicht. Auch S. Richardson beschreibt bereits in seinem direkt nach dem Krieg angefertigten Bericht die Leibermuster-Tarnung als "gut aber nicht haltbar".

Das Leibermuster sollte auch den Nachteil aller vorher entwickelten Tarnmuster kompensieren, denn diese hatten die Tendenz, in der Distanz optisch zusammenzufliesen und ihren spezifischen optischen Eindruck zu verlieren. Die schwarzen Zackenränder des "Leibermusters" garantierten jedoch auch auf größere Entfernung noch eine ausreichende Konturenauflösung.

Der Tarnverlauf der schwarzen Streifen war meistens waagerecht, es gibt jedoch auch Uniformteile, deren Grundstoff vertikal verarbeitet wurde. Häufig findet sich die RBNr. 0/0135/5043 auf den Stücken.

Da die Produktion des Leibermusters erst am 15. Januar 1945 - wenige Monate vor Kriegsende - startete, gelangten kriegsbedingt nur noch sehr wenige Uniformstücke mit Leibermuster Tarndruck an die Truppe.  

Viele Fotos, die Soldaten mit Leibermuster-Tarnbekleidung zeigen, wurden im Mai 1945 auf dem Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei aufgenommen. Da dort eine große Bekleidungsindustrie ansässig war, ist mit größter Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Leibermuster-Tarnstoff und die Leibermuster-Tarnbekleidung im Protektorat Böhmen-Mähren hergestellt wurden. 

S. Richardson schreibt in seinem Bericht über alle deutschen Tarnuniformen lediglich den Leibermuster-Feldanzug (kurze Feldblusen mit 2 Brusttaschen und Feldhosen mit geraden Hosenbeinen - keine Keilhosen - aus leichten Drillichmaterial ohne Futter).. Außerdem konnte Richardson einem Exemplar eines Leibermuster-Wendetarnanzug habhaft werden - dabei handelt es sich wahrscheinlich um ein Versuchsmuster. Andere Tarnbekleidung im Leibermuster ist bisher nicht bekannt.

Das Leibermuster sollte alle bisherigen Tarnuniformen von Wehrmacht (Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine) und Waffen-SS ersetzen. 

Waffen-SS-Leibermuster

 

Waffen-SS Leibermuster Tarnjacke

Originale Exemplare von Tarnuniformen im WSS-Leibermuster-Uniformen befinden sich im Bestand der Wehrtechnischen Studiensammlung (WTS) Koblenz:

Waffen-SS-Leibermuster in der WTS Koblenz

Auch in der Ausstellung des tschechischen Militärmuseums in Prag wird eine WSS-Leibermuster-Tarnjacke gezeigt. Es handelt sich aber nicht um eine Tarnjacke im M45-Schnitt. Es ist daher möglich, dass es sich um eine Tarnjacke handelt, die von der tschechichen Armee nach 1945 aus Leibermuster-Stoff  hergestellt wurde. Auffalend ist auch, dass die Farben nicht ganz so stark ausgeblichen sind, wie bei anderen Leibermusterstücken.

Waffen-SS-Leibermuster-Jacke im Militärmuseum Prag
Tarnmuster nach 1945
Leibermuster nach 1945 in der CSSR

Nach dem 2. Weltkrieg nutzte die neugegründete tschechoslowakische Volksarmee das Leibermuster für einige Jahre, wobei die Uniformen überwiegend aus alten, für die Wehrmacht hergestellten Beständen stammten. Es ist aber auch möglich, dass mit den originalen Druckwalzen neue - mit den Wehrmachtsstoffen identische - Stoffe produziert wurden und auch der originale Schnitt der Wehrmachtsuniformen beibehalten wurde.

Ab 1947 stellte die CSSR eine eigene Abart des Leibermusters her, bei dem die Grundfarbe mehr grün enthielt und die Farben überdruckt wurden, so dass keine Farbverschiebungen auftraten. Die schwarzen Karbonflecken wurden übernommen.

tschechisches Leibermuster "Duby" 1954 - 1962

Erst in den 1965 wurde das tschechische Leibermuster "Duby" durch eine neue Tarnuniform ersetzt. Es handelte sich um ein Dreifarben-Sumpftarn, das ebenfalls von den deutschen Vorbildern abgeleitet war. 

Sumpftarnmuster in Ungarn
Die Sumpftarnmuster 43 und 44 der deutschen Wehrmacht wurdenwährend des Krieges auch von der verbündeten ungarischen Armee verwendet und dort auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch aufgetragen.
Buntfarbenmuster 41 in Bulgarien

Bereits während des Krieges wurden Bulgariens Fallschirmjäger mit dem deutschen Buntfarbenaufdruck 1941 (Splittertarn B)  ausgestattet. Dessen typisch eckiges Erscheinungsbild mit den linearen gestrichelten Linien ist seit über 65 Jahren das nationale Tarnschema Bulgariens geblieben und wurde laufend weiterentwickelt.

Für die Fallschirmjäger wurde 1953 ein Dreifarben-Muster eingeführt, das direkt vom Buntfarbenaufdruck 1941 der deutschen Fallschirmjäger abgeleitet worden war. Das bulgarische Splittertarn 53 wurde später auch an Spezialeinheiten ausgegeben und bis 1991 getragen.

Sumpf-Tarnmuster in der CSSR nach 1945
Das erste Sumpftarnmuster das um 1950 von der Armee der Tschechoslowakei verwendet wurde, unterschied sich nicht vom originalen Wehrmachts-Sumpftarn 43. Es ist davon auszugehen, dass vorhandene Sumpftarnbekleidung aus Wehrmachtsbeständen aufgebraucht und neuer Sumpftarnstoff mit den originalen deutschen Druckvorlagen nachgedruckt wurde. Der tschechoslowakische Nachdruck des Sumpftarnmusters 43 ist dabei vom deutschen Original nicht zu unterscheiden.

Zwischen 1952 bis 1960 war in der Tschechoslowakei ein eigenes weiterentwickeltes Vierfarb-Sumpftarn-muster auf Basis des Wehrmachts-Sumpftarns 43 in Gebrauch, das zusätzlich noch schwarze Flecken in das Muster einstreute. Diese Muster war für Spezialeinheiten der tschechischen Fallschirmjäger im Einsatz. Fast gleichzeitig erschien ein fast identisches tschechisches Sumpftarnmuster für die Zeltbahn. Es unterscheidet sich vom Fallschirmjägermuster darin, dass einige kleinere Stellen nicht bedruckt, also „weiß“ gelassen wurden. Die typischen gestrichelten Linien wurden bei beiden Mustern beibehalten.

1965 wurde in der tschechoslowakischen Armee ein neues Dreifarben-Sumpftarn eingeführt, das ebenfalls von den deutschen Vorbildern abgeleitet war. 

frühe Tarnmuster der deutschen Bundeswehr

Auch bei der deutschen Bundeswehr gab es Truppenversuche mit Leibermuster-Tarnung (Amöbentarn)

Die Dienststelle Blank untersuchte neben Kampf- und Ausgehanzüge auch Tarnmuster für die Bundeswehr. Im Zusammenhang mit der seit 1952 geplanten Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG), wurde im Zuge der Planung der EVG-Uniform auch mit einer leicht abgewandelten Variante des bis 1945 entwickelten SS-Leibermusters experimentiert. Die Stoffe und Uniformen wurden in Belgien hergestellt. Nachdem Frankreich den bereits weitgehend ratifizierten EVG-Plänen im letzten Moment doch nicht zustimmte, wurde die weitere Ausgabe der EVG-Uniform an die neu gegründete Bundeswehr 1956 eingestellt. 

Bundeswehr Leibermuster 1955 
Bundeswehr Leibermuster Truppenversuch 1955-1958 Bundeswehr Leibermuster 1955-1958
Bundeswehr Leibermuster 1955 Bundeswehr Leibermuster 1955

 

Vorstellung der neuen Uniformen

 

Der Feldanzug in Bundeswehr-Leibermuster wurde zwar vorgestellt, aber schließlich doch nicht  eingeführt.

Es wurden jedoch auf Zeltbahnen in "Amöbentarn" eingeführt, die wendbar waren: eine Seite Frühlingsfarben, die andere in rot-braunen Herbstfarben. Die Zeltplanen mit Amöbentarn wurden später sukzessive durch einfarbig nato-olive Zeltplanen ersetzt. Vereinzelt sollen aber noch in den 80iger Jahren Zeltplanen im Amöbenmuster erhalten haben. 

BW-Amöbentarn-Zeltplane Frühling BW-Amöbentarn-Zeltplane Herbst

Die ausgemusterten Amöbenmuster-Zeltbahnen wurden teilweise in den Schneidereien der Standort-verwaltungen Helmtarnbezüge gefertigt. Die Fallschirmjägertruppe erhielt diese Helmtarnbezüge standardmäßig. Sie waren über die VUs der Kompanien zu beziehen.

BW-Amöbentarn Zelttasche BW-Amöbentarn Stahlhelm-Tarnbezug

1956 entschied man sich für die Einführung eines Tarnanzugs in Splittertarn. Es handelte sich um ein leicht abgewandeltes Splittertarnmuster M31 der deutschen Reichswehr bzw. Wehrmacht. Es gab drei Varianten des Tarnmusters und 2 verschiedene Schnittmuster (allgemeine Truppe und Fallschrimjäger).

Bundeswehr Splittertarn 1956 - 1965

 

Tarnjacke Bundeswehr Fallschirmjäger
Splittertarn 1956

 

 

frühe Tarnmuster der Bundeswehr

(Feldanzug BW-Spliitertarn und Zeltplanen BW-Amöbentarn)

Die Entwicklungen von Tarnuniformen wurden jedoch aus nicht weiterverfolgt, da man sich bei der Entwicklung der Bundeswehrausrüstung an den Amerikanern orientierte und keine "visuellen Ikonen der NS Maschinerie" übernehmen bzw. wiedereinführen wollte. Durch die rein politisch motivierte Abschaffung der  Tarnmuster verschlechterte sich die Tarnung der Bundeswehrsoldaten erheblich und viel in die Zeit vor 1931 zurück.

Erst 1990 - 10 Jahre nachdem die USA ein vom Splittertarn abgeleitetes Tarnmuster eingeführt hatte - durfte die Bundeswehr ihr seit 1976 erprobtes Tarnmuster (die Flecktarnvariante B groß) einführen. Dieses Flecktarn bestätigte mit computergestützten Mitteln die Versuche von Otto Schick in den 30iger Jahren.

Literatur

Michael D. Beaver: "Camouflage Uniforms of the Waffen-SS"

Adolf Schlicht/John R. Angolia: "Die Deutsche Wehrmacht, Uniformierung und Ausrüstung 1933-1945"

Johannes Denneke, Tarnanstriche des deutschen Heeres 1914 bis heute, Berhard & Graefe, 2. erw. Auflage, Bonn 2001.

Daniel Peterson: "Wehrmacht Camouflage Uniforms and Post-War Derivatives"

Daniel Peterson: "Waffen-SS Camouflage Uniforms and Post-war Derivatives"

http://www.artizandesigns.com/guides/germanpatterns.pdf

http://www.artizandesigns.com/painting-guides.php

http://zweiter-weltkrieg-lexikon.de/index.php/Waffen-SS/Artikel/Die-Entwicklung-der-Tarnkleidung-und-der-Einfluss-der-Waffen-SS.html

http://forum.valka.cz/viewtopic.php/t/41140/title/2-sv-vojna-Leibermuster-M45?utm_source=valka_cz&utm_medium=article&utm_campaign=linkthru

http://lexikon.freenet.de/Sumpftarn

http://iacmc.forumotion.com/t640-west-german-1955-leibermuster

http://www.camopedia.org/index.php?title=Germany_(Third_Reich)

http://alifrafikkhan.blogspot.de/2012/01/pola-kamuflase-nazi-jerman-wehrmacht.html

http://www.militaerlacke.de/lack/1kkunstharzlacke/wehrmacht/ral7028dunkelgelb.php

https://www.zeugamt.com/wcf/index.php?page=Thread&threadID=8581

https://www.zeugamt.com/wcf/index.php?page=Thread&threadID=6925

 

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